Bildung und Kultur als Schlüssel zur digitalen Zukunft

Digitale Kompetenzen gehören heute zu den unverzichtbaren Kulturtechniken, neben Lesen, Rechnen und Schreiben. Sie sind entscheidend für die erfolgreiche Teilhabe an Wissen und Kommunikation, für gelingendes Aufwachsen, für gesellschaftliche und betriebliche Partizipation, für berufliche Entwicklung sowie für lebensbegleitendes und generationenübergreifendes Lernen. Die Sicherstellung von „Kompetenzen in einer digital geprägten Welt“ ist Basis für die Innovationsfähigkeit unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft.

Alle Bildungseinrichtungen müssen sich künftig sehr viel stärker digitalen Medien und der Vermittlung digitaler Kompetenzen öffnen: Schulen, Hochschulen, inner- und außerbetriebliche Weiterbildungseinrichtungen, Orte der frühkindlichen Bildung und außerschulischen Jugendbildung. Alle Schulen müssen digitale Anwendungskompetenzen, informatische Grundbildung und kritische Medienkompetenz vermitteln. Angebote der Kinder- und Jugendarbeit als informelle Lernorte stärken den kreativen und reflektierten Umgang junger Menschen mit digitalen Medien.

Dieser Wandel verlangt massive Kraftanstrengungen bei Beratung und Qualifizierung der der Lehrenden und der pädagogischen Fachkräfte, Vernetzung der Bildungseinrichtungen, digitaler Infrastruktur mit WLAN und Hardware sowie der Bereitstellung digitaler Lerninhalte. Mit dem schulischen Medienkompetenzrahmen NRW existiert ein skalierbarer Orientierungsrahmen für alle Bildungsbereiche im Land, welche Kompetenzen digitale Bildung vermitteln soll. Auf dieser Grundlage erforderliche Kompetenz nicht nur im schulischen Kontext zu denken, sondern „in die Fläche zu bringen und alle zu erreichen“ ist ein Schwerpunktthema der Landesregierung.

Digitale Medien ermöglichen auch neue Formen des Lehrens und Lernens. Didaktische Innovationen wie der flipped classroom etwa nutzen Lernvideos und -software zur Wissensvermittlung. Das, was beispielsweise traditionell Professorinnen und Professoren in der Vorlesung erklärt haben, erschließen sich Studierende nun zuhause. Jeder von ihnen kann das in seinem individuellen Lerntempo tun.

Umgekehrt kann etwa in der Universität das stattfinden, was bislang oftmals Hausaufgabe ist: Inhalte wiederholen, vertiefen, hinterfragen, diskutieren, verarbeiten. Digitale Werkzeuge können individuelle Lernprozesse unterstützen und helfen beim kollaborativen Arbeiten, um beispielsweise gemeinsam Ideen zu entwickeln oder an Projekten zu arbeiten. Das stärkt die Möglichkeiten der Lehrkräfte zur individuellen Förderung der Lernenden.

Grundsätzlich gilt es, differenziert nach Themen und Zielgruppen die erforderlichen Bildungsformate anzubieten und, falls erforderlich, neu zu entwickeln. Die Bereitstellung digitaler Bildungsinhalte spielt deshalb neben der Entwicklung neuer didaktischer Konzepte eine zentrale Rolle in der Digitalstrategie für unsere Schulen.

Mit einer wissenschaftlichen Studie werden wir die Hemmnisse bei der Entwicklung und Bereitstellung von digitalen Bildungsangeboten in Deutschland untersuchen und Gelingensbedingungen für Nordrhein-Westfalen identifizieren. Das Land wird die Bereitstellung digitaler Bildungsinhalte in Schule, Hochschule, frühkindlicher und außerschulischer Bildung sowie Aus- und Weiterbildung konsequent weiterentwickeln und fördern. Indem sich Nordrhein-Westfalen 2018 an der Befragung zur D21 Studie beteiligt, liegen zeitnah dazu auch nähere Informationen und wissenschaftliche Auswertungen zu Bildungsbedarfen aus Nutzerperspektive vor.

Kunst und Kultur sind sowohl Handlungsfeld als auch Impulsgeber für die Digitalisierung. Ohne die Kooperation von großen Marktführern im digitalen Bereich mit Künstlerinnen und Künstlern und ohne die Pioniere der Medien- und Videokunst sowie der elektronischen Musik wären elementare Bild- und Tontechniken, die heute in Smartphones und Tablets Anwendung finden, nicht entwickelt worden.

Genauso wie Bildungseinrichtungen müssen sich Kultureinrichtungen stärker für digitale Formate und Vermittlung öffnen und dafür entsprechend ausgestattet sein. Darüber hinaus müssen aber auch digitale Kunstformen bzw. die Auseinandersetzung von Kunst mit der Digitalisierung und ihren gesellschaftlichen Folgen mehr als bisher in den Blick genommen und unterstützt werden.

 

Kommentare (4)

Hubert Martens

06.10.2018 21:25

Auch die Unternehmen ihrerseits müssen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter durch ständige Fortbildungen und Weiterbildungen den Anschluss an den Stand der Technik nicht verlieren. Wo frühzeitig erkannt wird, dass Aufgaben und Arbeitsbereiche
sich verändern werden, kann auch frühzeitig in die Schulung der Mitarbeiter oder Arbeitsuchender investiert werden. Die Technologie ist ständigem Wandel unterworfen, viele Unsicherheiten der Belegschaften entstehen vor allem dadurch, dass die Menschen das Gefühl haben, von den Entwicklungen abgehängt zu sein und mit den Anforderungen einer digitalisierten Arbeitswelt nicht mehr Schritt halten zu
können. Hier gilt es, früh gegen zu steuern und den Mitarbeitern durch qualitativ hochwertige Weiterbildungsmaßnahmen die Angst vor unbekannten Arbeitsabläufen zu nehmen.

Hubert Martens

06.10.2018 21:21

Mit der Digitalisierung der Wirtschaft geht einher, dass mehr und mehr technisches Wissen beispielsweise zum Auf- und Ausbau sowie Betrieb der digitalen Infrastrukturen in Deutschland benötigt wird. Fachkräfte sind hier der entscheidende Standortfaktor im europäischen und internationalen Wettbewerb. Der eco - Verband der Internetwirtschaft setzt sich mit seiner "Initiative Digitale Infrastrukturen" dafür ein, eine bundesweite Kampagne zur Steigerung der Attraktivität des Arbeitsfeldes digitaler Infrastrukturen zu fördern, um auch zukünftig ausreichend qualifizierte Mitarbeiter für eine Tätigkeit in diesem Sektor zu gewinnen und zu halten. Hierzu kann im Bereich Aus- und Weiterbildung auch das Land NRW entscheidend beitragen und eine Vorreiterrolle einnehmen.

Bernd Krämer

01.10.2018 14:48

Ein eher neues aber wesentliches Element bei der Beratung der Lehrenden sind der Einsatz von
- Learning-Analytics-Methoden und Werkzeugen, um Lehrenden Hinweise zur Verbesserung ihrer Lehrmaterialien und -methoden oder zur Anpassung ihrer Lehre an die konkreten Bedürfnisse von Studierendengruppen geben zu können,
- die Gewinnung smarter Daten aus einer Vielzahl verschiedenartiger Nutzungsdaten als Grundlage für die Gestaltung smarter (auch kontextnutzender) Anwendungen zu ermöglichen.
Diese Methoden und Werkzeuge bieten für Studierende in gleicher Weise Potenzial, passgenaue Lernpfade und Inhalte zu finden, ihren individuellen Lernfortschritt und die Selbsteinschätzung ihres Leistungsstands zu verbessern.

Die Möglichkeiten von KI-Methoden zur Innovation der Lehre in einer digitalen Welt sollten massiv untersucht werden, um z. B. der Diversität der Studierenden und Lernertypen oder die Heterogeneität von Studienvoraussetzungen und -bedingungen zu begegnen.

Michael Kemper

26.09.2018 12:44

Die Definition "Digitale Kompetenzen" muss breiter gefasst werden, als nur die Anwendungsfähigkeit digitaler Werkzeuge. Dazu gehört u. a. der Umgang mit der eigenen digitalen Identität, digitale Kommunikation und Inhaltsgenerierung, Vernetzungsfähigkeit, Interpretationsfähigkeit von Daten, Datensicherheit aber auch das interdisziplinäre Lösen von Problemen. Ein guter europäischer Leitfaden zur Orientierung findet sich hier: http://publications.jrc.ec.europa.eu/repository/bitstream/JRC106281/web-digcomp2.1pdf_(online).pdf