Digitalstrategie.UPDATE
#Digitalstrategie kommentieren

Die Landesregierung möchte in diesem Jahr die Digitalstrategie.NRW aktualisieren, fortschreiben und qualitativ auf eine neue Stufe heben. Die Digitalisierung bleibt eine der großen und zentralen Gestaltungsaufgaben unserer Zeit. Darüber hinaus ergeben sich auch aus den Erfahrungen der Corona-Pandemie neue Impulse und Notwendigkeiten zur digitalen Weiterentwicklung.
Für diese Fortschreibung der Digitalstrategie setzen wir erneut auch auf Ihre Ideen, Anregungen und kritischen Anmerkungen. Daher stellen wir die gesamte Digitalstrategie ab dem 15. Februar in einer sechswöchigen Phase hier zur Diskussion.
Sie haben nun die Möglichkeit, abschnittsgenau die Digitalstrategie.NRW zu kommentieren, Textpassagen mit Ideen und Anregungen zu ergänzen, Stellungnahmen hochzuladen und so das digitale Nordrhein-Westfalen mitzugestalten. Alle Kommentare, Ergänzungen und Stellungnahmen fließen dann in das Update der Strategie, das im Herbst vorgelegt werden soll, ein.
Jetzt dabei sein und die Digitalisierung in NRW mitgestalten!

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Ausgangslage: Bei Aufholjagd auf Stärken bauen

Nordrhein-Westfalen ist ein dicht besiedelter Metropolraum. Exzellente Hochschulen und Forschungseinrichtungen, Gründungsraten, Neueinschreibungen in MINT-Studienfächern, FuE-Ausgaben der Hochschulen und öffentliche Wagniskapitalanbieter sowie hohe IT-Sicherheitskompetenz sprechen für Nordrhein-Westfalen. Auf diesen Stärken können wir aufbauen.

Doch es gibt viel zu tun. Denn bislang wurden die Stärken nicht hinreichend genutzt, um unser Land und die Wirtschaftsbranchen in Breite und Tiefe so zu digitalisieren, wie es möglich gewesen wäre. Eine Aufholjagd, auch im internationalen Vergleich, ist bei Infrastruktur, Bildung, Mobilität, Gesundheit und E-Government notwendig. Wir benötigen sie, um unser Bundesland fit zu machen für die digitale Zukunft.

Das zeigen auch wissenschaftliche Analysen der Stärken Nordrhein-Westfalens und der besonderen Herausforderungen, vor denen unser Bundesland steht. Nach dem aktuellen Deutschlandindex des Kompetenzzentrums Öffentliche IT liegt Nordrhein-Westfalen aktuell auf Platz fünf im Bundesländervergleich[1]. Für die Analyse der Ausgangslage hat die Landesregierung das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mit einer Metastudie beauftragt, die 2018 vorgelegt wurde[2]. Zentrale Ergebnisse dieser - und weiterer aktueller Studien – sind im Folgenden dargestellt.

Breitbandausbau

Die Landesregierung setzt auf eine Gigabit-Strategie um große Anwendungsfelder wie automatisiertes und autonomes Fahren, vernetzte Mobilität 4.0, Industrie 4.0 oder E-Health und Telemedizin überhaupt erst ermöglichen zu können. Nordrhein-Westfalen befindet sich bei der digitalen Infrastruktur in einem enormen Aufholprozess.

Mitte 2017 verfügten erst 83,3 Prozent aller Haushalte unseres Landes über einen Breitbandanschluss von ≥ 50 Mbit/s. Die Versorgung wurde inzwischen deutlich verbessert: Aktuell verfügen 96 Prozent der Haushalte über eine Internetverbindung mit einer Mindestrate von 50 Mbit/s, nach Abschluss der laufenden Ausbauprojekte werden es 98 Prozent sein. Rund 70 Prozent bestehen aus Kabelnetzen, deren Weiterentwicklung hin zu gigabitfähigen Netzen geprüft wird.

Zukunftsfähige Glasfaseranschlüsse, die Übertragungen im Gigabitbereich und einen schnellen Upstream ermöglichen, haben bisher nur rund zehn Prozent der Haushalte in Nordrhein-Westfalen. Mit den bereits bewilligten Fördervorhaben steigt die Glasfaserquote bei den Haushalten auf mehr als elf Prozent. Derzeit sind 16 Prozent der Schulen an das Glasfasernetz angeschlossen. Durch bereits laufende und geplante Ausbauprojekte wird der Anteil bis Ende 2020 auf 60 Prozent steigen. Im gleichen Zeitraum werden 37 Prozent der Gewerbegebiete an das Gigabitnetz angebunden sein.

Damit liegt Nordrhein-Westfalen – wie die Bundesrepublik insgesamt – derzeit noch deutlich unter dem Niveau der meisten EU-Länder.

Mobilfunk

Die Nachfrage nach hohen Datenraten bei mobiler Internetnutzung steigt weiter. Eine Untersuchung der Initiative D21 zeigt, dass Nordrhein-Westfalen das Flächenland mit der stärksten mobilen Internetnutzung ist: 72 Prozent der Bürger sind hierzulande mobil online (65 Prozent Hessen, 68 Prozent Baden-Württemberg, 69 Prozent Bayern, Niedersachsen 71 Prozent). Die Mobilfunknetzbetreiber haben gemeinsam mit der Landesregierung erfolgreich an der Verbesserung der Mobilfunkversorgung in der zweiten Jahreshälfte 2018 gearbeitet. In kurzer Zeit konnte eine signifikante Verbesserung der Netzabdeckung erreicht werden. Schon jetzt sind 99 Prozent der Haushalte in Nordrhein-Westfalen durch mindestens einen Anbieter mit schnellem Mobilfunk der vierten Generation (LTE) versorgt.

Damit ist dieses Ziel des NRW-Mobilfunkpaktes bereits erreicht – rund drei Jahre eher als der Bund es auf Länderebene vorsieht. Weitere erhebliche Anstrengungen zur Verbesserung des Netzes in den kommenden zwei Jahren sind vereinbart.

Elektromobilität

Nordrhein-Westfalen soll zu einem führenden Land im Bereich der Elektromobilität werden. In Hinblick auf absolute Zahlen, sowohl bei Elektroautos als auch bei den Ladepunkten, kann dieser Anspruch auch geltend gemacht werden. Bezogen auf die Bevölkerungsgröße liegen die jeweiligen Werte jedoch teils deutlich unter dem Durchschnitt der Bundesländer. Analog zur Forcierung hochleistungsfähiger Gigabitnetze sollten Fördermaßnahmen initiiert und Rahmenbedingungen gesetzt werden, um einen Ausbau der Ladeinfrastruktur und gleichzeitig eine hinreichende Nachfrage nach Elektroautos zu erzielen. Eine besondere regulierungspolitische Herausforderung stellt die Koordination und Integration mit dem Energienetz dar, um Probleme in der Stromversorgung zu vermeiden und Autobatterien als Stromspeicher mit eigenem Beitrag zur Stromnetzstabilisierung zu nutzen.

Kompetenzen in einer digital geprägten Welt

Die Diskussion zu den erforderlichen Kompetenzen im Kontext Digitalisierung wird bereits intensiv geführt – auch in Nordrhein-Westfalen. Neben dem etablierten Begriff „Medienkompetenz“ werden Begriffe wie „Digitale Bildung“, „digitale Kompetenzen“, „Medienbildung“ genutzt – ohne das ausreichend gesichert ist, dass damit das Gleiche gemeint ist. Als Startpunkt für die Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses hat sich die Landesregierung daher auf den Arbeitstitel „Kompetenzen in einer digital geprägten Welt“ verständigt. Nordrhein-Westfalen geht dieses Thema ressortübergreifend entlang der gesamten Bildungskette an. Die Ermittlung des Kompetenzbedarfs ist getragen vom Aspekt „lebensbegleitendes Lernen“. Es werden hier auch besondere Bildungsaspekte aus dem Kontext Integration, Inklusion, Sicherheit, Prävention, Verbraucherschutz wie Informationskompetenz und politische Bildung einbezogen. Formales und informelles Lernen soll gleichermaßen in den Blick genommen werden.

Erforderliche Kompetenzen sind in den Kernlehrplänen in Nordrhein-Westfalen bislang nur schwach verankert. Beim Länderindikator „Schule digital“ sowie im Ranking des allgemeinen Bildungsmonitors unterschreitet Nordrhein-Westfalen jeweils vielfach den Bundesdurchschnitt, auch beim regelmäßigen Einsatz digitaler Medien im Unterricht. Bei den für die Digitalisierung so wichtigen MINT-Expertinnen und -Experten schneidet Nordrhein-Westfalen auf den ersten Blick vergleichsweise gut ab. So ist die Zahl der Neueinschreibungen im MINT-Bereich in keinem anderen Bundesland stärker angestiegen. Zu ergänzen ist jedoch, dass dieses positive Bild bislang noch nicht auf einen ebenso starken Anstieg der Absolventinnen und Absolventen durchschlägt. Beim Thema Weiterbildung liegt Nordrhein-Westfalen bei der Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen und öffentlichen Kursangeboten nach Daten des Deutscher Weiterbildungsatlas 2016 der Bertelsmann Stiftung etwas unterhalb des Bundesdurchschnittes.

Nordrhein-Westfalen hat sich als einziges Bundesland am D21-Digital-Index 2018/2019 mit einer länderspezifischen Sonderauswertung beteiligt. Dadurch liegen aktuelle Informationen zum Grad der Digitalisierung und deren Entwicklung in der Bevölkerung für das Land vor. Mit 55 (von möglichen 100) entspricht der Index-Wert für Nordrhein-Westfalen dem Bundeswert.

Neben Zugang und Nutzungsverhalten sind auch Kompetenz und Offenheit Säulen des Index. Als Basis für weitere Aktivitäten liegen daher nun auch – orientiert am Medienkompetenzrahmen NRW und differenziert nach Alter, Geschlecht und Bildung – Informationen über Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger an Medienkompetenz­angebote vor.

Forschung und Entwicklung

Mit 70 Hochschulen, etwa 772.300 Studierenden (Wintersemester 2018/2019), rund 100 an Hochschulen angesiedelten Forschungsinstituten und mehr als 50 außeruniversitären Forschungseinrichtungen besitzt Nordrhein-Westfalen die dichteste Wissenschafts- und Forschungslandschaft Europas. In der ersten Runde des neuen bundesweiten Bund-Länderprogramms Exzellenzstrategie waren die Universitäten des Landes überaus erfolgreich: 14 Exzellenzcluster von insgesamt 57 konnten nach Nordrhein-Westfalen geholt werden. Unter allen Gewinnern sticht die Universität Bonn mit sechs Exzellenzclustern, davon zwei im Verbund mit den Universitäten Köln und Aachen, mit Abstand besonders hervor. Keine Universität in Deutschland konnte eine solche Anzahl auf sich vereinen.

Allerdings weisen vergleichsweise wenige Patentanmeldungen und geringe private Investitionen in Forschung und Entwicklung darauf hin, dass Nordrhein-Westfalen von dieser Stärke mehr profitieren könnte. Da erfolgreiche FuE-Aktivitäten für die optimale Nutzung digitaler Möglichkeiten und für die Entwicklung innovativer Technologien entscheidend sind, könnten durch höhere FuE-Investitionen die Wachstumspotenziale der Digitalisierung besser ausgeschöpft werden.

Digitale Verwaltung

Nordrhein-Westfalen erreicht im Vergleich mit den anderen Bundesländern überdurchschnittliche Werte hinsichtlich der digitalen Verwaltung und deren Interaktion mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen. Die Kommunal- und Landesverwaltungen verfügen demnach über mehr digitale Angebote und eine leicht höhere Nachfrage. Zudem besteht ein gesteigertes Interesse an neuen E-Government-Anwendungen sowie an einer Teilhabe seitens der Bevölkerung. Allerdings steht das Land mit Blick auf die Digitalisierung der Landesverwaltung noch vor einer gewaltigen Aufgabe. Zudem befindet sich E-Government in Deutschland insgesamt, auch im internationalen Vergleich, sowohl hinsichtlich Angebot als auch Nachfrage noch immer auf einem sehr geringen Niveau- Das zeigt auch der 20. Platz bei der Digitalisierung öffentlicher Dienste innerhalb der EU-Mitgliedsländer.

Gesundheit

Beim Thema E-Health, insbesondere bei mobile Health und Start-ups, liegt Nordrhein-Westfalen im Bundesländervergleich im oberen Mittelfeld – soweit sich dies mit einer sehr begrenzten Zahl an Indikatoren bewerten lässt. Was die Einführung von Telematikanwendungen und die Telemedizin angeht, hat das Land bundesweit eine Vorreiterrolle. Bei den Umsatzanteilen der Digitalen Gesundheitswirtschaft verzeichnet Nordrhein-Westfalen deutlich überdurchschnittliche Werte. Das Ziel, eine flächendeckende Vernetzung der Einrichtungen sowie der Akteure im Gesundheitswesen zu erreichen, wird im Rahmen der Landesinitiative eGesundheit.nrw verfolgt. Zudem hat Nordrhein-Westfalen die Chancen und Potenziale der Telemedizin erkannt und fördert sie intensiv, u.a. über das Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH (ZTG). Allerdings steht Deutschland insgesamt im Bereich der Digitalisierung des Gesundheitswesens noch vor großen Herausforderungen.

Wirtschaft

Bei der Digitalisierung der Wirtschaft liegt Nordrhein-Westfalen beim Bundesländervergleich im Mittelfeld, was nicht zuletzt die nordrhein-westfälische Wirtschaftsstruktur widerspiegeln dürfte. Die industrienahen Dienstleistungen weisen demnach im Vergleich zu Handwerk und Industrie den höchsten Digitalisierungsgrad auf. Dieser ist besonders ausgeprägt im Bereich der IT-Infrastruktur. Hingegen besteht in Bereichen wie Wertschöpfung, Produktion und Leistungserstellung, Marketing und Vertrieb über alle Branchen hinweg noch viel Potenzial für Digitalisierung. Ausgehend von einer traditionell industriegeprägten Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen, bieten Industrie 4.0-Technologien große Chancen.

Allerdings ist zu berücksichtigen, dass der Dienstleistungssektor mittlerweile 72 Prozent der Wirtschaftsaktivität des Landes ausmacht. Die Chancen der Digitalisierung unternehmensnaher und industrienaher Dienstleistungen sind insofern nicht zu vernachlässigen.

Der „Digitalisierungsindex von KMU in NRW 2018“ im Auftrag des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe zeigt, dass die mehr als 750.000 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Nordrhein-Westfalen bei der Nutzung der Digitalisierung für neue Geschäftsmodelle und der Qualifizierung der Mitarbeiter noch Aufholbedarf haben. Von zehn möglichen Indexpunkten erreichten die KMU in Nordrhein-Westfalen nur einen Wert von 4,1. Vor allem kleine Unternehmen haben noch immer einen sehr niedrigen Digitalisierungsstand. Mit der Unternehmensgröße steigt dieser.

Gründungen

Die Gründungsdynamik in Nordrhein-Westfalen unterscheidet sich kaum von der auf Bundesebene oder von der in Baden-Württemberg. Trotz bundesweit rückläufiger Gründungsraten in den vergangenen Jahren, weist Nordrhein-Westfalen aktuell eine leichte Zunahme auf. Im aktuellen „Deutschen Startup Monitor 2018“ konnte Nordrhein-Westfalen sogar mit einem Anteil von 19 Prozent an den Start-ups in Deutschland Berlin vom ersten Platz dieser Auswertung verdrängen.

Zudem weist die Branche der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in Nordrhein-Westfalen eine hohe Gründungsrate im Vergleich zu anderen Branchen auf. Diese wird getrieben durch die IKT-Dienstleister. Die Bereitstellung von Wagniskapital ist essenziell für die Unterstützung von Gründungsaktivität und Unternehmenswachstum. Zwar haben die Volumina von Wagniskapital-Transaktionen nach der Krise 2008 auch hierzulande zugenommen, gleichwohl liegen wir relativ wie auch in absoluten Größen deutlich hinter Berlin, Bayern und Hamburg zurück. Daher gilt es, weitere Anreize für die Bereitstellung insbesondere von privatem Wagniskapital zu setzen.

Informationssicherheit

Nordrhein-Westfalen liegt entsprechend der in der Metastudie verwendeten Indikatoren zur Informationssicherheit fast ausnahmslos und zum Teil sehr deutlich über dem Durchschnitt der Bundesländer. Insbesondere das Sicherheitsbewusstsein der öffentlichen Verwaltung auf kommunaler Ebene scheint in Nordrhein-Westfalen stark ausgeprägt, gemessen am Anteil der kommunalen Webseiten, die eine verschlüsselte Verbindung auf Basis des https-Protokolls erzwingen. Allerdings bedarf es beim Thema Cybersicherheit auf Ebene der Länder einer Verbesserung der Datenlage, um zukunftsweisende Entscheidungen auf einer validen Informationsbasis treffen zu können.

[1] https://www.oeffentliche-it.de/digitalindex

[2] https://www.digitalstrategie.nrw/digitalnrw/de/home/file/fileId/91/name/18-04-30%20Endbericht%20Metastudie%20NRW.pdf

 

Hinweis der Redaktion: 
Dieses Kapitel ist nicht für die Kommentierung geöffnet, da es sich um die Ausgangslage der Digitalstrategie 2018 handelt.