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#Themen im Fokus: Erfolgreich Wirtschaften und Arbeiten in der digitalen Welt

Neue Gründerzeit für Nordrhein-Westfalen

Wir möchten erreichen, dass der Standort NRW für Wagniskapital deutlich an Attraktivität gewinnt.

Nordrhein-Westfalen soll künftig mehr Lust auf Gründungen machen. Wir wollen die Anziehungskraft auf innovative Gründungen und insbesondere digitale Start-ups erhöhen und eine deutschlandweit und international herausragende Gründerszene aufbauen. Viele unserer Unternehmen haben erkannt, wie wichtig der Kontakt zur digitalen Gründungsszene ist, um bestehende Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln, neue Geschäftsfelder zu erschließen und technologischen Fortschritt frühzeitig aufzugreifen. Sie haben ein hohes Interesse an einer lebendigen Gründungskultur direkt vor ihrer Haustür. Diese Dynamik möchten wir unterstützen und erhöhen.

Im Wettbewerb mit anderen Ländern und Regionen besitzt Nordrhein-Westfalen den Vorteil, in einem dicht besiedelten Raum 18 Millionen potenzielle Kundinnen und Kunden, 70 Hochschulen mit aktuell rund 38.100 MINT-Absolventinnen und -Absolventen, zehn DAX-Unternehmen, zahlreiche mittelständische Weltmarktführer sowie 750.000 kleine und mittlere Unternehmen zu bieten. Was jedoch bislang weitgehend fehlt, ist ein effizient funktionierendes und lebendiges Start-up-Ökosystem sowie ausreichend Wagniskapital in den verschiedenen Entwicklungsphasen junger Unternehmen.

Die 75 Startercenter NRW bieten eine Beratung zu allen gründungsrelevanten Schritten sowie gezielte Beratungsangebote für alle Gründerinnen und Gründer. Einen wichtigen Beitrag für die Verbesserung der Startbedingungen junger, digitaler Unternehmen übernehmen die regionalen und überregionalen Digital Hubs und die digitalen Kompetenzzentren – etwa das Kompetenzzentrum für den Mittelstand „Digital in NRW“ in Dortmund mit Partnern aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Ostwestfalen-Lippe, der Metropole Ruhr und dem Rheinland.

Bei den Digital Hubs handelt es sich um sechs regionale Plattformen für die Digitale Wirtschaft in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Köln, Münster und dem Ruhrgebiet sowie um die beiden bundesweiten Digital Hubs für Logistik in Dortmund und für Versicherungen in Köln. Auch andere Digital Hubs wie Founders Foundation (Bielefeld) oder Garage 33 (Paderborn) und Startport (Duisburg) bringen erfolgreich Wirtschaft, Wissenschaft und junge Kreative zusammen. Hinzu kommt eine wachsende Anzahl firmenbezogener Initiativen wie etwa „:agile“ von E.on oder SMS in Düsseldorf, Universal Home Accelerator oder OBO Digital Hub von OBO Bettermann in Köln. Wichtig für Gründer sind auch Coworking Spaces wie Startplatz in Düsseldorf und Köln. Mit all diesen Akteuren werden wir das Start-up Ökosystem weiter ausbauen.

Der Beirat Digitale Wirtschaft mit Branchenexpertinnen und -experten aus der Start-up-Szene, dem Mittelstand, Großunternehmen sowie den Bereichen Venture Capital, Wissenschaft und Verbänden berät die Landesregierung bei der Umsetzung ihrer Agenda für die digitale Wirtschaft und hilft dabei, für digitale Unternehmen im Land die besten Rahmenbedingungen zu entwickeln.

Auf diese Weise entstehen und wachsen im ganzen Land derzeit Start-up-Szenen, in denen Gründerinnen und Gründer auf Kooperationspartnerinnen und -partner, Kapitalgeberinnen und -geber sowie international erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer verschiedener Branchen treffen. Diese Vernetzung unterstützt die Landesregierung mit dem Networks-Programm, das den themenspezifischen Austausch fördert. Die ausgewählten Projekte sind Anlaufstelle für konkrete Beratungs- und Finanzierungsfragen. Sie arbeiten mit den Digital Hubs zusammen und ergänzen den regionalen Austausch.

Ein lebendiges Start-up-Ökosystem braucht diese Vernetzungen, aber es braucht auch Gründergeist. Dieser Kultur- und Mentalitätswandel ist besonders schwer zu befördern. Unser Beitrag ist eine gründungsfreundliche Politik unter der Überschrift Neue Gründerzeit NRW, die auf einladende Rahmenbedingungen sowie finanzielle und logistische Unterstützung für junge Innovatorinnen und Innovatoren setzt.

Dazu gehören die Digitalisierung von Behördenabläufen und der Abbau bürokratischer Hürden. So können seit Juli 2018 alle Gründerinnen und Gründer rund um die Uhr auf einer zentralen Online-Plattform ihr Gewerbe anmelden (siehe auch Kapitel 5.1 Digitale Verwaltung). Die Entfesselungspakete der Landesregierung bauen systematisch überflüssige gesetzliche Hindernisse für die digitale Wirtschaft ab.

Technologiegründungen aus nordrhein-westfälischen Hochschulen fördern wir mit dem Programm Start-up-Transfer. Zudem unterstützen wir den Aufbau von sechs „Exzellenz Start-up Center“ an den Universitäten in Aachen, Köln, Bochum, Dortmund, Münster und Paderborn mit bis zu 150 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren.

► Wir möchten die Zahl der Ausgründungen aus den Hochschulen in NRW insbesondere durch die Exzellenz Start-up Center bis zum Jahr 2024 um mindestens 50 Prozent erhöhen.

► NRW soll zudem stärker als bisher an den Bundesprogrammen für innovative Gründungsvorhaben partizipieren; Hierzu streben wir an, dass NRW in den kommenden fünf Jahren bei den EXIST-Gründerstipendien unter die Top 3-Bundesländer aufsteigt.

Seit Sommer 2018 läuft das Gründerstipendium.NRW, mit dem Nordrhein-Westfalen als erstes Bundesland Gründerinnen und Gründer in der Vorgründungs- und frühen Gründungsphase mit 1.000 Euro im Monat unterstützt. Das Gründerstipendium baut dabei insbesondere auch auf dem flächendeckenden Angebot von Startercentern in NRW und den Digital Hubs auf.

► Wir wollen mit dem Gründerstipendium.NRW innovative Gründungsvorhaben stärken und hierzu in den kommenden Jahren bis zu 1.000 Gründerstipendien jährlich vergeben.

Die nötigen Investitionen in neue Geschäftsideen und in den Aufbau neuer Unternehmen ersetzen solche Unterstützungsangebote nicht. Dazu braucht es Wagniskapital. Es ist neben dem Start-up-Ökosystem der zweite Schlüssel für ein Gründerland. In NRW-Jungunternehmen wurden 2018 lediglich 243 Millionen Euro investiert. Das stellt gegenüber 2017 (96 Millionen Euro) eine deutliche Steigerung dar, entspricht aber nicht der Bedeutung unseres Landes. Im gleichen Zeitraum konnte Berlin knapp 2,6 Milliarden Euro an Investments anziehen[1], was das Ausmaß der notwendigen Aufholjagd belegt. Nordrhein-Westfalen muss dringend mehr Wagniskapital mobilisieren und weitere Investorinnen und Investoren anziehen. Dazu muss die Wahrnehmung als attraktives Investitionsland für Venture Capital und Business Angels in den kommenden Jahren gesteigert werden.

In einem ersten wichtigen Schritt hat die NRW.BANK ihr Engagement für Wagniskapital deutlich ausgeweitet. Hierfür stehen 214 Millionen Euro zur Verfügung – dies entspricht nahezu einer Verdoppelung der bisherigen Mittel. Diese Gelder mobilisieren in erheblichem Umfang privates Kapital, da auf jeden investierten Euro der NRW.BANK bis zu vier Euro privates Kapital kommen[2]. Künftig geht es darum, über die Aktivitäten der NRW.BANK hinaus weiteres Kapital privater Investorinnen und Investoren für die Finanzierung digitaler Start-ups zu mobilisieren.

Gerade im Bereich Business Angels besitzt Nordrhein-Westfalen noch erhebliches Potenzial. Mit dem High-Tech Gründerfonds als größtem europäischen Frühphasenfonds, Coparion und mehreren privaten Venture Capital Gesellschaften besitzt unser Land eine gute Ausgangsbasis, mehr Risikokapitalinvestitionen zu ermöglichen.

► Wir möchten erreichen, dass NRW als Standort für Wagniskapital deutlich an Attraktivität gewinnt. Hierzu sollen die Wagniskapitalinvestitionen in Start-ups in NRW bis 2022 auf eine halbe Milliarde wachsen und damit gegenüber 2017 verfünffacht werden.

Nordrhein-Westfalen muss an allen drei Stellschrauben ansetzen: Start-ups, Kapital und Sichtbarkeit. Denn ein attraktives Start-up-Ökosystem und ausreichend verfügbares Wagniskapital befruchten sich gegenseitig.

 

[1] Vgl. https://start-up-initiative.ey.com/wp-content/uploads/2019/01/EY-Start-up-Barometer-Deutschland-Januar-2019_long_DE.pdf (Stand Januar 2019), S. 10.

[2] NRW.BANK: NRW.BANK vergibt 214 Millionen Euro mehr an Wagniskapital für Gründerinnen und Gründer https://www.nrwbank.de/de/corporate/presse/pressearchiv/2017/171204-LPK-Gruendung.html (Stand: 18.04.2018).

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