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#Themen im Fokus: Erfolgreich Wirtschaften und Arbeiten in der digitalen Welt

Qualifizierte Facharbeit in der digitalen Arbeitswelt

Qualifizierte Facharbeit bleibt auch in einer digitalen Welt der Wettbewerbsvorteil der nordrhein-westfälischen Wirtschaft, um technologisch und qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen herzustellen. Arbeitsinhalte und Arbeitsbedingungen werden sich ändern, doch die Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen sind gut gewappnet, auch große Veränderungen zu stemmen und mitzugestalten: Ein Drittel von ihnen hat mehrere Berufsabschlüsse, jeder zehnte eine Aufstiegsfortbildung. Fast drei Viertel der Beschäftigten meistern bereits heute regelmäßig Veränderungen in ihrem Arbeitsumfeld und erleben Arbeitssituationen, in denen sie improvisieren müssen. Dennoch werden sich in einigen Berufen Tätigkeiten und Abläufe so stark verändern, dass heutige Beschäftigte und Unternehmen vor gewaltige Qualifizierungsherausforderungen gestellt sind. Die Angebote und die Bereitschaft zur Weiterqualifizierung bestimmen die Chancen im digitalen Wandel wesentlich mit. 

Eine gute Berufsorientierung bildet die Grundlage für ein erfolgreiches Erwerbsleben auch in der digitalen Arbeitswelt. Die berufliche Orientierung von Schülerinnen und Schülern wird im Rahmen der Landesinitiative „KAoA – kein Abschluss ohne Anschluss“ mit einem E-Portfolio und einer App unterstützt. Nordrhein-Westfalen hat sich an die Spitze eines bundesgeförderten Entwicklungsprojekts gesetzt, um gemeinsam mit anderen Bundesländern und der Bundesagentur für Arbeit in den kommenden drei Jahren den Berufswahlpass 4.0 zu entwickeln. Zudem bildet das von NRW-Hochschulen entwickelte Online-Portal „Studifinder“ die Basis für ein neues bundesweites Tool zur Studien- und Berufsorientierung der Bundesagentur für Arbeit.

Eine fundierte Ausbildung ist elementar, um die mit der fortschreitenden Digitalisierung verbundenen Herausforderungen der Arbeitswelt zu bewältigen. Und auch diejenigen, die fest im Berufsleben stehen, werden immer öfter mit neuen Anforderungen konfrontiert. Nur wenn alle Beschäftigten sich dem digitalen Wandel gewachsen fühlen, können sie die Vorteile des technischen Fortschritts für sich nutzen. Der Weg dorthin führt über Qualifizierung.

Inhalte und Formen der Aus- und Weiterbildung müssen vor diesem Hintergrund angepasst und weiterentwickelt werden, da sich mit zunehmender Beschleunigung des digitalen Wandels auch die Kompetenzanforderungen an die Beschäftigten erhöhen. Neben den branchen- und unternehmensspezifischen Fachkompetenzen gewinnen fachübergreifende Fähigkeiten wie konzeptionelles und kreatives Denken, Selbstlern- und Selbstmanagementkompetenzen, Kommunikationsfähigkeit, Prozessverständnis und Abstraktionsfähigkeit an Bedeutung.

Die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung bedeutet auch, dass nicht nur die Hochschulen, sondern auch unser weltweit anerkanntes System der dualen Ausbildung ins digitale Zeitalter geführt wird. Betriebe und Berufsschulen bzw. überbetriebliche Bildungsstätten müssen sich mit den Anforderungen der Digitalisierung auseinandersetzen. Gemeinsam mit den Überbetrieblichen Bildungsstätten der Industrie und des Handwerks (ÜBS) setzen wir bereits erste Impulse, etwa in einer breiten Initiative zur Digitalisierung der beruflichen Bildung im Maschinenbau und der landesweiten Ausweitung der Zusatzqualifikation „Digitale Fertigungsprozesse“.

Zudem unterstützen wir jene ÜBS, die sich in den nächsten Jahren zu Kompetenzzentren weiterentwickeln wollen. Diese Kompetenzzentren übernehmen die Aufgabe, innovative berufspädagogische Konzepte zu entwickeln, Qualifizierungsmaßnahmen für die Anwendung neuer Technologien und Verfahren zu erarbeiten und den Transfer von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen in die betriebliche Aus- und Weiterbildungspraxis zu unterstützen. Darüber hinaus haben wir die Fachkräfteinitiative des Landes für die Modernisierung und Digitalisierung der beruflichen Schulen geöffnet.

► Wir werden in den nächsten Jahren alle überbetrieblichen Bildungsstätten des Handwerks und der Industrie modernisieren und ausgewählte Bildungsstätten zu Kompetenzzentren für Aus- und Weiterbildung ausbauen.

Digitale Lerninhalte müssen auch über Qualifizierungs- und Personalentwicklungskonzepte in die Unternehmen getragen werden. Deshalb unterstützen wir mit Beratungsangeboten die strategische Personalentwicklung in kleinen und mittleren Unternehmen, die ihre Produktionsprozesse digitalisieren wollen.

► Wir werden bis 2020 den Themenschwerpunkt „Digitalisierung“ der Potenzialberatungen stärken. Unser Ziel ist, 30 Prozent aller Beratungen für KMU zur Digitalisierung durchzuführen.

Für Weiterbildungsstrategien in KMU können sowohl Beschäftigte als auch Betriebe den Bildungsscheck NRW einsetzen. Um Weiterbildung auch direkt am Arbeitsplatz zu fördern, haben wir das Budget für derartige Angebote massiv aufgestockt und für digitale Lernformate geöffnet. Die Beratungsstrukturen zur beruflichen Bildung sollen künftig auch digital erreichbar sein.

► Wir werden bis 2020 bis zu 30 Millionen Euro für die berufliche Weiterbildung von Beschäftigten zur Verfügung stellen

Die digitale Grundbildung sowie die Fähigkeit und Bereitschaft zum selbstständigen Lernen werden neben Lesen, Schreiben und Rechnen unabdingbar sein, um die eigene Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten und weiterzuentwickeln. Mit bedarfsorientierten Angeboten am Arbeitsplatz werden wir gemeinsam mit den Sozialpartnern mit dafür sorgen, dass gerade die Schwächsten nicht zu Digitalisierungsverlierern werden.

Um gute Ideen für einen gelungenen Transformationsprozess zur Arbeitswelt 4.0 zu finden und zu unterstützen, haben wir in den Regionen einen Dialogprozess mit KMU, Partnern der Arbeitsmarktpolitik, Gründern, Digitalisierungs-Experten, Beschäftigten, Auszubildenden, Studierenden, der Schülerschaft sowie der allgemeinen Öffentlichkeit durchgeführt. Die Landesregierung plant, den erfolgreichen Dialogprozess „NRW 4.0" mit überregionalen Transferveranstaltungen fortzuführen, um den Gedankenaustausch zu Arbeit 4.0 zu intensivieren und zudem den Transfer guter Ideen, Projekte und Programme landesweit zu befördern.

► Wir werden bis 2020 das im Dialogprozess „NRW 4.0“ entwickelte Konzept der Digital Scouts in die Regionen tragen, um Beschäftigte in KMU zu Treibern des digitalen Wandels zu qualifizieren.

Beteiligung ist nicht nur der Schlüssel, um das Vertrauen der Beschäftigten in die Chancen der Digitalisierung zu gewinnen und ihre Kompetenzen und Erfahrungen für den digitalen Wandel einzusetzen. Sie ist auch der Schlüssel zu fairer Entlohnung, Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten für alle Beschäftigten, zu einer alters- und alternsgerechten Arbeitsorganisation und zur Vermeidung unnötiger Fehlbelastungen.

Dazu brauchen wir eine starke Sozialpartnerschaft, moderne Mitbestimmung und offene Unternehmenskultur. Mit den Pilotprojekten „Arbeit 2020“ und „ÖPNV 4.0“ setzen wir Maßstäbe, damit Beschäftigte und Management den digitalen Umbau gemeinsam gestalten. Die gemeinsame „Initiative Wirtschaft & Arbeit 4.0" hat verabredet, solche partnerschaftlichen Ansätze in die Breite zu tragen und Nachahmer zu werben, um die Digitalisierung in den Unternehmen zum Wohle aller zu gestalten.

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