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#Themen im Fokus: Gesund und selbstbestimmt leben mit Hilfe digitaler Technologien

Blutdruck, Puls und EKG online übermitteln

Für die Landesregierung hat die Nutzung der Telemedizin hohe Priorität. Telemedizinische Verfahren sollen vermehrt in die Regelversorgung integriert werden. Denn die Telemedizin bietet große Chancen, um Qualität und Wirtschaftlichkeit der medizinischen und pflegerischen Versorgung zu verbessern. Sie macht den Kontakt zwischen Patientin und Patient sowie Ärztin und Arzt schneller und weniger aufwendig.

Durch den Einsatz telemedizinischer Anwendungen können moderne zeitgemäße Versorgungsstrukturen geschaffen werden, die für die Patienten bedarfsgerechte, ortsnahe und qualitätsorientierte Behandlungsmöglichkeiten bieten und Lösungen für strukturelle Versorgungsdefizite in Nordrhein-Westfalen schaffen.

Im Notfall zählt jede Sekunde. Die Telemedizin ermöglicht es, dass TeleNotärzte beim Eintreffen der Rettungssanitäter aus der Ferne hinzugeschaltet werden können und so die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes vor Ort sinnvoll nutzen können. Durch spezielle Apps können sogar Heilberufler, die sich in unmittelbarer Nähe aufhalten, von den Leitstellen alarmiert werden. So können Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt werden, bevor der Rettungsdienst überhaupt vor Ort sein kann. Dadurch wird wertvolle Zeit für den Patienten gewonnen, können Leben gerettet werden. Auch dieses Potenzial wollen wir in Nordrhein-Westfalen nutzen.

Die Versorgung chronisch Kranker verlangt oftmals die permanente Kontrolle der Vitalwerte. Medizinische Daten wie EKG, Puls und Blutdruck können mittlerweile auch von zuhause online mit entsprechenden Geräten an die Ärztin oder den Arzt übermittelt werden, der die Daten in seiner Praxis bewertet und bei Bedarf unterstützen kann. So können Ärztinnen und Ärzte ihre Patientinnen und Patienten optimal versorgen, ohne sie häufig in die Praxis einbestellen zu müssen. Für die Patientinnen und Patienten bringt das mehr Sicherheit, mehr Lebensqualität und sogar Krankenhausbehandlungen können durch rechtzeitiges Handeln vermieden werden.

Im ländlichen Raum können telekonsiliarische Dienste und die Videosprechstunde die Versorgung verbessern. Für manchen ärztlichen Rat reicht oftmals das Gespräch am Bildschirm. Davon profitieren insbesondere Menschen in strukturschwachen Regionen oder Patientinnen und Patienten mit eingeschränkter Mobilität. Immobile, chronisch kranke Patienten sollen zudem zukünftig durch telemedizinische Delegation (TeleArzt) noch engmaschiger betreut werden. Speziell ausgebildete Versorgungsassistenten sollen die Patienten zuhause aufsuchen und den Krankheitsverlauf mit dem Patienten beobachten. Die Ärzte können dabei mit Hilfe der Telemedizin in den Hausbesuch eingebunden werden (TeleArzt). Wir begrüßen die vom Ärztetag beschlossene Liberalisierung der Fernbehandlung, weil sie Rechtssicherheit schafft und gleichzeitig die telemedizinische Versorgung in allen Kontexten erleichtern wird. All diese Möglichkeiten existieren, werden aber kaum genutzt. Obwohl die Telemedizin keiner aufwendigen Infrastruktur bedarf, konnten bisher nicht einmal ansatzweise die Ziele erreicht werden, die man mit ihrer Einführung verbindet. Heutige Vergütungssysteme benachteiligen digitale Versorgungsmodelle. Wir wirken deshalb mit den anderen Ländern darauf hin, dass insbesondere die Finanzierungsmöglichkeiten der Telemedizin mit dem technischen Fortschritt weiterentwickelt werden.

Zudem fördert die Landesregierung die Verfügbarkeit telemedizinischer Basistechnologien (Videokonferenztechnik) in Krankenhäusern, zunächst im Münsterland. Wir streben die flächendeckende Anwendung von zentralen telekonsiliarischen Diensten in der Krankenversorgung nach dem Vorbild der Teleintensivmedizin an.

Eine neue Internetplattform soll ergänzend landesweit Ärzte und Krankenhäuser dabei unterstützen ihre Patienten telemedizinisch zu versorgen. Sie soll den Zugang zur erforderlichen Infrastruktur und den ärztlichen Aufbau der möglichen Dienstleistungen aus Teletherapie, Telekonsil und Telemonitoring ebnen und erleichtern.

Im Anwenderzentrum des Zentrums für Telematik und Telemedizin werden gemeinsam mit dem Appcheck-Bewertungsportal (www.appcheck.de) die technischen Lösungen der Telemedizin schon heute für alle Akteure im Gesundheitswesen sichtbar gemacht. Dieses Angebot wird kontinuierlich ausgebaut. So können für Versorgungsprobleme schnell geeignete technische Lösungen identifiziert werden.

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