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Vision für das digitale Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen ist das Land des gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhalts.

Die Menschen in Nordrhein-Westfalen betrachten die Digitalisierung positiv-pragmatisch. Sie sind aufgeschlossen, den technischen Fortschritt zu nutzen, um das Leben reichhaltiger, effizienter und nachhaltiger zu machen. Sie bewahren sich eine gesunde Skepsis gegenüber utopischen Versprechungen, sind aber überzeugt, das digitale Zeitalter positiv für sich und ihre Nachkommen gestalten zu können.

Chancengerechtigkeit und Teilhabe sind gestiegen. Jede Schule, jedes Unternehmen und jeder Privathaushalt verfügt über schnelles Internet. On-Demand-Sharing-Fahrzeuge, die möglicherweise in der Zukunft einmal autonom fahren, ergänzen die Mobilitätsoptionen. Intelligente Wohnungen ermöglichen Pflegebedürftigen, länger in den eigenen vier Wänden zu leben. Die Telemedizin hat die ärztliche Versorgung in dünn besiedelten Regionen enorm verbessert. Digitale Diagnoseverfahren erkennen Krankheiten wie Krebs sehr viel früher.

Die Menschen fahren nicht mehr jeden Tag ins Büro, sondern stimmen ihre Arbeitszeit dank mobiler Geräte und flexiblerer Arbeitskultur besser auf ihr Privatleben ab. Personalabteilungen lassen sich von digitalen Assistenten unterstützen, um bei der Personalauswahl geeignete Kandidatinnen und Kandidaten nicht mehr wegen eines ausländischen Namens, des Alters, des Geschlechts oder eines Abschlusses auf einer weniger renommierten Universität unbewusst zu benachteiligen – im Vordergrund steht, welche Fähigkeiten jemand mitbringt. Manche Berufe haben sich stark verändert, andere sind gar verschwunden. Durch eine erhebliche Verbesserung der beruflichen Bildung und Weiterqualifizierung ist es jedoch den meisten Menschen gelungen, sich neue Perspektiven zu erarbeiten.

Kleine Einzelhändler und Dienstleister haben ihre Angebote für ihre Gemeinde oder ihr Stadtviertel auf einer App zusammengeführt und behaupten sich gegen die global tätigen Internet-Giganten. Auf dieser App präsentieren sich auch die lokalen Vereine, Verbände und Initiativen. Der Plausch mit den Nachbarn im Laden ist immer noch möglich, aber man kann sich den täglichen Einkauf auch durch ein autonom fahrendes Kleinfahrzeug oder vielleicht sogar eine Drohne vor die Haustür liefern lassen. Die Lebensqualität hat sich erhöht, seit auf einer zentralen App sämtliche ÖPNV-Angebote und weitere Mobilitätsoptionen zusammengeführt sind. Man muss nur das Ziel eingeben, und schon zeigt das Smartphone die schnellste und bequemste Route an, vielleicht eine Kombination aus Leih-E-Bike, selbstfahrendem Bus und Zug.

Die Teilhabe an Entscheidungen, die das eigene direkte Lebensumfeld betreffen, ist gestiegen. Die örtliche Verwaltung, die Behördengänge längst überflüssig gemacht hat, versorgt die Bürgerinnen und Bürger mit digital aufbereiteten Informationen zu Stadtentwicklung, Verkehrsprojekten und sonstigen Infrastrukturmaßnahmen. Online-Foren bilden einen wichtigen Teil der gestiegenen Partizipationsmöglichkeiten, um sich an einer Lösung zu beteiligen, die auf möglichst breite Akzeptanz in den verschiedenen Interessengruppen trifft. Dort, wo staatliche Behörden algorithmische Systeme einsetzen, machen sie deren Ziele und Funktionsweise transparent. Niederschwellige, flexible Zugänge haben das bürgerschaftliche Engagement vor Ort unterstützt und für Menschen geöffnet, die sich sonst nicht engagieren könnten. Neue, digitale Formen des bürgerschaftlichen Engagements erfahren die gleiche Anerkennung und Förderung wie traditionelle Formen.

Die sozialen Plattformen dazu zu nutzen, durch verbale Aggression anonym Frust abzubauen, hat seinen Reiz verloren. Die gestiegene Kompetenz im Umgang mit digitalen Medien hat auch eine allseits respektierte Netiquette etabliert. Vernetzung und reichhaltige digitale Angebote erleichtern die Integration von Menschen, die bislang benachteiligt waren. Im Netz gehen die Menschen souverän mit ihren Daten um – sie wissen, mit welchen Einstellungen sie ihre Privatsphäre schützen können. Kriminelle Verstöße gegen den Datenschutz werden zügig ermittelt und geahndet, Verbraucher finden kompetente Beratungsstellen und genießen Rechtssicherheit bei ihren Online-Aktivitäten. Unternehmen berücksichtigen bereits bei der Entwicklung verbraucher- und datenschützende Voreinstellungen.

Die Kriminalität ist zurückgegangen. Die Polizei ist aufgrund verbesserter Datenauswertung öfter an Orten, an denen die Wahrscheinlichkeit eines Einbruchs oder eines Autodiebstahls besteht – schon bevor die Tat begangen wird. Gewalttäter können durch gezielte Videobeobachtung an besonderen Brennpunkten leichter identifiziert und dem Strafverfahren zugeführt werden.

Nordrhein-Westfalen steht beispielhaft für den europäischen Weg der Digitalisierung. Der Umgang mit Digitalisierung basiert auf einem freiheitlich-demokratischen Wertekonsens, in dem Pluralität, Individualität und Diversität wichtige Anker sind. Er fußt auf der Überzeugung, dass nicht alles, was technisch machbar ist, auch umgesetzt werden darf. Vielmehr lautet die Maxime, dass Digitalisierung dem Menschen und der Gesellschaft dienen muss. Was das im Einzelfall konkret heißt, bedarf eines fortwährenden, lebendigen, öffentlichen Austauschs zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Medien.

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