Künstliche Intelligenz – Welchen Weg geht NRW?

Von MWIDE NRW am 19.08.2019

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) durch selbst lernende Systeme wird unser Lebensumfeld wie auch Unternehmen aller Branchen in Zukunft weiterhin und tiefgreifend verändern. Damit die Potenziale künstlicher Intelligenz konsequent und in der ganzen Breite genutzt werden können, bündeln wir die Kompetenzen in Nordrhein-Westfalen in der neu eingerichteten Plattform KI.NRW. Die Geschäftsstelle wird vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS in Sankt Augustin geleitet, einem der führenden Forschungsinstitute auf den Gebieten Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen.

Unser Land soll zu einem führenden Standort in Forschung und Qualifizierung im Bereich KI werden. Neben dem intensiven Forschungstransfer stehen in einer ersten Phase die Themen berufliche Qualifizierung und ethischer und gesellschaftlicher Diskurs im Mittelpunkt. Die Landesregierung erarbeitet zurzeit gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft einen Masterplan KI für NRW.

Außerdem hat die Landesregierung KI zu einem Schwerpunktthema des diesjährigen Dialogs zur Digitalstrategie.NRW gemacht. Im Austausch mit Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft steht online wie bei Veranstaltungen vor Ort die Frage nach der zukünftigen Gestaltung und Anwendung von KI im Mittelpunkt. Hierbei sollen Anregungen für die perspektivische Fortschreibung und Weiterentwicklung der Digitalstrategie aufgenommen werden. Verschiedene Disziplinen und Zugänge eröffnen dabei unterschiedliche Ausblicke auf das Thema KI. Die Vortragenden der Veranstaltungen am 23. August und 3. September geben erste Impulse:

Welche Regeln gelten für KI?

Mit dem Blick der Philosophie schaut Prof. Dr. Markus Gabriel von der Universität Bonn auf das Thema. Aus seiner Sicht muss die Digitalstrategie.NRW einer zentralen Eigenschaft des Menschen Rechnung tragen: seiner ethischen Offenheit.

Der Mensch ist fähig, seine ethischen Einstellungen zu hinterfragen und gegebenenfalls zu korrigieren. Wenn sich die Lebenswelt des Menschen grundlegend verändert, müssen Handlungsregeln daran angepasst werden – auch wenn grundlegende Werte, wie etwa die Menschenrechte, sich nicht ändern. Die Digitalisierung und insbesondere der Einsatz von KI stellen eine solche Veränderung dar. Die Digitalstrategie.NRW muss berücksichtigen, dass unser ethischer Kompass auf diesen Hintergrund neu ausgerichtet werden muss.

So, wie sich die raschen Veränderungen durch die Digitalisierung auf Werte und Handlungsmuster auswirken, befinden sich auch Recht und Gesetz unter Anpassungsdruck. Prof. Dr. Dr. Frauke Rostalski von der Universität zu Köln beschäftigt sich aus deren Sicht mit dem Thema KI.

Zum einen lohnt sich ein Blick darauf, in welchen Bereichen das Recht schon heute „intelligent“ genug ist, um auf Veränderungen zu reagieren, die durch die Künstliche Intelligenz in der Gesellschaft hervorgerufen werden. Darüber hinaus müssen gegenwärtige und künftige Herausforderungen behandelt werden, welche die neue, disruptive Technologie für das Recht bereithält.

Wie kann eine „KI-Politik“ aussehen?

Verschiedene politikwissenschaftliche Perspektiven zum Thema wird Prof. Dr. Christoph Bieber von der Universität Duisburg-Essen einbringen. Dabei steht vor allem die Frage im Mittelpunkt: Was müssen politische Akteure leisten, um dazu beizutragen, dass technologische Innovationen gesellschaftlich akzeptiert und erfolgreich implementiert werden können?

Es braucht eine frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema Digitalisierung, um Strukturen auszubilden, die eine funktionierende Politik-Herstellung gewährleisten. Zwar hat sich Künstliche Intelligenz schneller auf der politischen Agenda etabliert als andere Fragen der Digitalisierung, doch ist längst noch nicht klar, welche Politiker und Politikerinnen sich das Thema zu eigen machen oder wie eine „geordnete“ KI-Governance aussehen könnte.

Wie kann KI sicher gestaltet werden?

Angesichts der zunehmenden Präsenz von KI in zahlreichen Lebensbereichen stellt sich unweigerlich auch die Frage nach der sicheren Verwendung dieser Technologie. Prof. Dr. Armin B. Cremers vom Bonn-Aachen International Center for Information Technology (b-it) geht auf diesen Problemkreis ein.

Künstliche Intelligenz eröffnet vielfältige Chancen für Wirtschaft, Gesellschaft und unseren Alltag. Wie kann der Umgang mit ihr vertrauenswürdig und sicher gestaltet werden? Dies ist insbesondere dort wichtig, wo sie verantwortungsvolle Tätigkeiten des Menschen übernimmt, wie etwa das Autofahren. Welche neuen Herausforderungen bestehen für die Sicherheit von KI-Systemen? Und wie kann perspektivisch die Sicherheit von KI-Systemen gewährleistet werden, deren kognitive Fähigkeiten diejenigen des Menschen übersteigen?

Ohne Daten keine KI

Der 3. September steht in Düsseldorf unter dem Titel “Daten – Der Schlüssel zu KI.“ KI-Systeme brauchen große, qualitativ hochwertige Datenmengen – denn sie müssen lernen, um „intelligent“ zu werden. Prof. Dr. Katharina Morik von der TU Dortmund beschäftigt sich mit dem Thema maschinelles Lernen:

Hierbei werden aus Daten Zusammenfassungen und Funktionen zur Vorhersage erstellt, die in den verschiedensten Bereichen angewandt werden können – etwa Verkehrslenkung, Produktionsverbesserung oder dem Verstehen von Texten und Filmen. Die besondere Bedeutung der Daten entsteht erst durch den Nutzen, den maschinelles Lernen daraus zieht. Unter den Schlagwörtern “Bias” und “Fairness” wird Datenqualität in letzter Zeit lebhaft diskutiert – ausgelöst auch durch den Hass in sozialen Netzwerken. Hier werden Methoden entwickelt, wie der Datenverzerrung entgegengewirkt werden kann.

Im Kontext der Digitalisierung sind datenbasierte Innovationen zentral für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Daten werden deshalb immer wertvoller und benötigen ein sorgfältiges Management: Die Frage ist, wie Daten nutzbar gemacht werden können und wie der Zugang zu ihnen verbessert werden kann. Patrick Poeten vom Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST weiß:

Unternehmen befinden sich heute in der paradoxen Situation, ihre immer wertvolleren Daten schützen zu wollen, sie gleichzeitig aber teilen zu müssen, um an den heutigen digitalen Geschäftsökosystemen teilhaben zu können. Hier setzt die „International Data Spaces“-Initiative (IDS) an, in deren Rahmen die Fraunhofer-Gesellschaft seit 2015 an einer Architektur für den souveränen und dezentralen Austausch von Daten forscht. Unternehmen, die sich am IDS beteiligen, behalten auch in den digitalen Ökosystemen die Souveränität über ihre eigenen Daten. So werden den teilnehmenden Unternehmen eine „Data Sharing Economy“ – und damit auch KI-basierte Geschäftsmodelle – nach europäischen Werten ermöglicht.

Ein anderer wichtiger Aspekt für die Nutzung großer Datenmengen ist die Anonymisierung dieser Daten – ein Thema, mit dem sich Felix Bauer von der Aircloak GmbH beschäftigt.

Mit der Digitalisierung ist die Datenmenge, die täglich erzeugt wird, enorm gewachsen und ein Großteil davon sind persönliche Daten. Um diese Daten ohne datenschutzrechtliche Einschränkungen für KI-Anwendungen nutzen zu können, müssen sie anonymisiert werden. Das heißt, es muss unmöglich sein, einen Einzelnen herauszufiltern, Datenpunkte eines Einzelnen zu einem größeren Profil zu verknüpfen und aufgrund eines Attributs auf ein anderes Attribut zu schließen. Das ist oft nicht einfach zu erreichen und eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.

Natürlich bedeutet Anonymisierung zudem, dass in Datensätzen Details verloren gehen können, die für bestimmte Auswertungen wichtig wären. Moderne Methoden der Anonymisierung können den Spagat zwischen Datenschutz und Datenqualität jedoch bewältigen. Und das Feld des “privacy preserving machine learning” – also des maschinellen Lernens anhand von anonymen Daten – entwickelt sich derzeit rapide.

 

NRW und das Thema KI – wohin sollte der Weg aus Ihrer Sicht führen? Ab dem 23.08. haben Sie hier die Möglichkeit, Ihre Meinung einzubringen. Wir freuen uns über Ihre Beteiligung!

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