Demographischer Wandel – Chancen durch Digitalisierung

Die nordrhein-westfälische Landesregierung möchte sich zum Thema Digitalisierung und demographischer Wandel mit den Menschen in NRW austauschen und Meinungen, Ideen und Anregungen einholen.

Von MWIDE am 11.10.2019

Die Digitalisierung hält in alle Bereiche unseres Lebens Einzug und zieht überall Veränderung nach sich. Nicht nur für die junge, urbane Gesellschaft bietet sie Chancen. Der demographische Wandel, in dessen Zuge die Bevölkerung in Deutschland gerade in ländlichen Regionen schrumpft und im Schnitt immer älter wird, wirft auch andere Fragen auf. Welche Potenziale bietet die Digitalisierung etwa in der Pflege älterer oder kranker Menschen? Und wie sieht es für die Stärkung des ländlichen Raumes aus?

Pflegekraft agiert mit Senioren

Digitalisierung in der Pflege – Wie können alle profitieren?

Eine alternde Gesellschaft stellt höhere Anforderungen an Gesundheitsversorgung und Pflege. In ihrer Digitalstrategie denkt die nordrhein-westfälische Landesregierung die Themen Pflege und demographischer Wandel deshalb mit – und macht sie zu einem Schwerpunktthema bei ihrem diesjährigen Dialog zur Digitalstrategie.NRW. Die Digitalisierung eröffnet neue Chancen – die Landesregierung setzt sich deshalb etwa für die Vernetzung von Arztpraxen, Krankenhäusern, Apotheken und Pflegeheimen oder die Einführung der elektronischen Patientenakte ein. Gleichzeitig jedoch gilt es, alle Beteiligten für diese Chancen zu sensibilisieren, Akzeptanz zu erhöhen und die Voraussetzungen für eine zielführende, nutzerorientierte und nachhaltige Umsetzung zu erörtern.

Die Landesregierung möchte das Thema Digitalisierung in der Pflege weiterdenken – gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Pflegewirtschaft, Wissenschaft, Städten und Kommunen. Unter welchen Bedingungen konkrete digitale Assistenzsysteme Akzeptanz finden können und wie Herausforderungen des Lebens im Alter mit ihrer Hilfe gemeistert werden können, steht deshalb am 18. Oktober 2019 in Dortmund bei der Veranstaltung „Digitale Chancen in der Pflege mitgestalten“ im Mittelpunkt. Für die nötige Expertise sorgen hier Fachleute aus Pflegewirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Kommunen.

Chancen der Digitalisierung

Von sensorgestützten, neuen Logistikketten in Pflegeabläufen der Seniorenheime und Krankenhäuser bis hin zu Sprachassistenz,- oder Servicedienstleistungen, die auch in den eigenen vier Wänden Sicherheit liefern und den Genesungsprozess begleiten – Michaela Bonan von der Stadt Dortmund kann sich vielfältige Möglichkeiten vorstellen, wie die Digitalisierung einen am Menschen orientierten Mehrwert für die Pflegebranche bieten kann: „Die Digitalisierung bietet große Chancen, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die die bedarfsgerechte Pflege der Menschen unterstützen – ohne, dass die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt.“ Wichtig sei, so viel Betreuung wie nötig sicherzustellen und gleichzeitig die Privatsphäre der zu Pflegenden so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.

Wege zum Ziel

Damit diese Chancen genutzt werden können, müssen jedoch Pflegekräfte, Patienten, Bewohner, Angehörige und alle anderen Akteure des Gesundheitswesens auf dem Weg mitgenommen werden, betont Dr. Vera Gerling vom Institut für Gerontologie an der Technischen Universität Dortmund: „Insbesondere für kleinere ambulante und stationäre Einrichtungen ist es wichtig, dass sie kontinuierlich über digitale Entwicklungen, Good Practice, Finanzierungsmöglichkeiten und rechtliche Rahmenbedingungen informiert werden, um selbst entsprechende digitale Angebote auf den Weg bringen zu können.“ Andreas Burkert vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen unterstreicht hier die Bedeutung der in der Pflege Beschäftigten: „Sie sind mit ihrem Know-how von Anfang an einzubeziehen, wenn es darum geht, die Digitalisierung der Pflege so zu gestalten, dass durch Arbeitsentlastung und Zeitgewinn mehr Zuwendung in der Pflegesituation möglich wird.“

Für Prof. Dr. Christian Bühler vom Forschungsinstitut Technologie und Behinderung der Evangelischen Stiftung Volmarstein, einem Aninstitut der Technischen Universität Dortmund, ist klar: Wenn alle Akteure eingebunden werden, kann die Digitalisierung in der Pflege gelingen und für die zu Pflegenden Sicherheit, Qualität und Selbstbestimmung erhöhen. Dazu sind aus seiner Sicht verschiedene Dinge nötig: Zum einen leistungsfähige, einfach bedienbare und sicher funktionierende digitale Systeme mitsamt einer Angebots- und Wartungsstruktur für den ambulanten und stationären Bereich. Des Weiteren muss hinter der Technik eine verlässliche pflegerische Servicestruktur und Dienstleistung stehen. Deshalb sind für Prof. Dr. Bühler auch typische Angebote zu überdenken: „So kann der Pflegedienst telematische Dienste bieten und bedarfsbezogen pflegerische Leistungen veranlassen, anstatt zu vorbestimmten Zeiten zu kommen.“ Auch braucht es gut mit der Technik ausgebildete Pflegefachkräfte. Schließlich sollte die Abrechenbarkeit des Technikeinsatzes von der Investition bis zur Wartung im Pflegesystem eingebaut werden – eine Art Zulassungsstelle für technisch-organisatorische Innovationen in der Pflege könnte hier eine Absicherung bieten.

"Wie kann ich im Alter möglichst lange autonom, sicher und selbstbestimmt zuhause leben?“ Antworten auf diese relevante Fragestellung, halten Dr. Bettina Horster und ihr Team mit dem Projekt „Smart Service Power“ bereit. Das Vorhaben bietet Lösungen für das altersgerechte Wohnen im Quartier durch intelligente Digitalisierung. Ob Sturzmelder oder Sprachassistent – auf der begleitenden Ausstellung bei der Veranstaltung „Digitale Chancen in der Pflege mitgestalten“ am 18. Oktober 2019 in Dortmund können Sie einige der digitalen Assistenzsysteme live erleben und ausprobieren.

Junge Frau blickt über Stadt

Digitale Power für den ländlichen Raum?

Die nordrhein-westfälische Landesregierung nimmt die Digitalisierung zudem als Chance wahr, um die Lebensverhältnisse sowohl in urbanen Gebieten als auch im ländlichen Raum zu verbessern. Angesichts der Herausforderungen durch die demographische Entwicklung ist das Ziel, gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen und den ländlichen Raum zu stärken.

Was braucht der ländliche Raum in Nordrhein-Westfalen, um für junge Menschen, Familien und Ältere gleichsam attraktiv zu werden? Welchen Beitrag kann die Digitalisierung für ein Revival des ländlichen Raums leisten? Wie kann ein Stadt-Land Ausgleich durch digitale und weitere Rahmenbedingungen zukünftig geschaffen werden?

Diese und weitere Fragen werden im Rahmen der Digitalkonferenz Nordrhein-Westfalen am 22. November 2019 in einer Paneldiskussion diskutiert. Vertreter aus Wissenschaft und Forschung, von Leuchtturmprojekten und lokalen Initiativen vor Ort werden im Panel die verschiedenen Dimensionen der Digitalisierung, ihre Auswirkungen und Chancen – insbesondere für die ländliche Gesellschaft – aufzeigen.

Die Digitalisierung und der demographische Wandel in NRW – welche Chancen, Risiken und Herausforderungen sehen Sie bei diesem Thema? Ab dem 11.10.19 haben Sie hier die Möglichkeit, Ihre Meinung einzubringen. Wir freuen uns über Ihre Beteiligung!

Weitere Informationen zu Programm und Anmeldung zur Veranstaltung „Digitale Chancen in der Pflege mitgestalten“ am 18.10.19 in Dortmund finden Sie hier.

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