Künstliche Intelligenz, Open Science, Nachhaltigkeit, agile Wissenschaft CAIS-Forschungsinkubator entwickelt Pfade zur interdisziplinären Digitalisierungsforschung

Von Prof. Dr. Christoph Bieber und Dr. Josephine B. Schmitt am 16.04.2020

Das NRW-Institut für Digitalisierungsforschung (Arbeitstitel), das sich zur Aufgabe gemacht hat, aktiv an der gesellschaftlichen und technologischen Gestaltung der digitalen Transformation mitzuwirken und die Potenziale und Herausforderungen für die Menschen in der digitalen Gesellschaft zu erforschen, hat sich bis 2030 in der Forschungslandschaft Nordrhein-Westfalens erfolgreich etabliert.

(Strategie für das digitale Nordrhein-Westfalen 2019 - Teilhabe ermöglichen – Chancen eröffnen, S. 43)

 

Das Center for Advanced Internet Studies (CAIS) präsentierte im Februar das Konzept für ein Institut für Digitalisierungsforschung in Nordrhein-Westfalen. In Vorbereitung auf das Institut geht der CAIS-Forschungsinkubator bereits jetzt neue Wege bei der bereichsübergreifenden Vernetzung und interdisziplinären Zusammenarbeit in der Digitalisierungsforschung. Seit Anfang des Jahres setzt sich das Team um Prof. Dr. Christoph Bieber und Dr. Josephine B. Schmitt dazu mit der Idee einer agilen Wissenschaft auseinander. Ziel ist es, im Forschungsprozess schnell auf die Komplexität und Dynamik einer digitalisierten Welt reagieren zu können.

Unter dem Dach des Forschungsinkubators sind bislang fünf Projekte zusammengefasst. Sie stellen Fragen zu Künstlicher Intelligenz, Nachhaltigkeit und Open Science. Die Forschungsteams sind an verschiedenen Partner-Einrichtungen angesiedelt. Mit Hilfe agiler Methoden, etwa aus dem Bereich des Design Thinking, wird der interdisziplinäre Austausch zwischen den Teams gefördert.

Arbeitsweise des CAIS-Forschungsinkubators 

Das Themenfeld „Künstliche Intelligenz“ (KI) wird in drei Projekten untersucht. Der „Meinungsmonitor Künstliche Intelligenz“ (MeMo:KI) beobachtet die öffentliche Auseinandersetzung zu KI. Ein detaillierter Überblick ist wichtig, weil Entscheider*innen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Überlegungen der Menschen für eine sozial- und demokratieverträgliche Technikgestaltung berücksichtigen sollten.

Durch digitale Technologien lässt sich möglicherweise auch in der öffentlichen Verwaltung unerkanntes Potenzial heben. KI-Systeme scheinen prädestiniert zu sein, standardisierte bürokratische Abläufe und bestimmte Entscheidungsprozesse zu übernehmen. Doch der staatliche Einsatz unterliegt anderen Anforderungen und Risiken als der Einsatz von KI durch private Akteure. Das Projekt „KI in Staat und Verwaltung“ legt seinen Fokus auf die Chancen und Herausforderungen, die mit KI in der Verwaltung einhergehen. Es entwickelt rechtliche Regulierungsvorgaben und flankierende Sicherungsmechanismen aus staats- und verwaltungsrechtlicher Perspektive.

Prof. Dr. Mario Martini und Dr. Hannah Ruschemeier vom Projekt „KI in Staat und Verwaltung“Foto: CAIS, Michael Schwettmann

Prof. Dr. Mario Martini und Dr. Hannah Ruschemeier vom Projekt „KI in Staat und Verwaltung“

 

Das Forschungsprojekt „KI als Gegenstand politischer Steuerung“ nimmt bestehende Initiativen und Projekte wie KI-Förderprogramme, Ethik-Kommissionen oder Expertenräte in den Blick. Ein systematischer Überblick zur politischen Verarbeitung des KI-Booms in Form neuer Gesetze oder Regulierungsstellen soll dazu beitragen, eine künftige KI-Governance durch staatliche Stellen effizient und wirkungsvoll zu gestalten.

Das Projekt „Digitalisierung nachhaltigen Verhaltens“ untersucht Potenziale digitaler Technologien zur Ressourcenschonung. Dafür werden sogenannte Smart-Meter für Duschköpfe eingesetzt. Deren Messresultate werden für verhaltensökonomische Interventionen wie sozialer Vergleich und Echtzeitfeedback genutzt. Auf diese Weise wird getestet, wie der Einsatz digital erhobener Verbrauchsdaten dazu beitragen kann, um Verhaltensänderungen zu motivieren.

Darüber hinaus spielt Open Science mit dem Ziel Forschung nachvollziehbar, transparent und replizierbar zu gestalten, in der Digitalisierungsforschung eine wichtige Rolle. Gleichzeitig werden neue Formen der Beteiligung, etwa von Bürger*innen, umgesetzt. Das CAIS-Forschungsprojekt „Open Science“ nimmt das Selbstverständnis von Nutzer*innen sowie den Umgang mit deren Daten in sozialen Medien und anderen Anwendungen (z.B. „Internet of Things“) in den Blick.

Der Forschungsinkubator begleitet die Projekte bis zu deren Abschluss im März 2021 und bietet einen innovativen Rahmen für die wissenschaftliche Kooperation. Im Wochenrhythmus bearbeiten die Forschenden der unterschiedlichen Teams projektübergreifende Themen.

Die Erfahrungen mit den Projekten verbindet der Forschungsinkubator mit einer Bestandsaufnahme laufender Forschungstätigkeit zu Schwerpunktthemen der Digitalisierungsforschung. Im Austausch mit Stakeholdern aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik sollen die Eckpunkte für ein Forschungsprogramm entwickelt werden, das ab dem Jahr 2021 die Arbeiten des NRW-Instituts für Digitalisierungsforschung strukturieren wird.

 

Die Projekte im Einzelnen:

  • Meinungsmonitor Künstliche Intelligenz
    (Forschungspartner: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; Leitung: Prof. Dr. Frank Marcinkowski)
  • Künstliche Intelligenz in Staat und Verwaltung

(Forschungspartner: Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften, Speyer; Leitung: Prof. Dr. Mario Martini)

  • KI-Governance: Künstliche Intelligenz als Gegenstand politischer Steuerung
    (Forschungspartner: Universität Duisburg-Essen; Leitung: Prof. Dr. Christoph Bieber)
  • Digitalisierung nachhaltigen Verhaltens

(Forschungspartner: RWI Essen; Leitung: Dr. Mark A. Andor)

  • Open Science: Neue Chancen für die Beziehung zwischen Forschenden und Beforschten?
    (Forschungspartner: GESIS, Köln; Leitung: Dr. Katharina Kinder-Kurlanda)

 

Weitere Informationen unter www.cais.nrw/forschung

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