Monitoringbeitrag Digitalstrategie.NRW: Digitale Alltagswelten in der Corona-Pandemie: Center for Advanced Internet Studies (CAIS) mit Beitrag zum Digitaltag

Von Prof. Dr. Christoph Bieber, Dr. Nina Hahne am 14.07.2020

Das NRW-Institut für Digitalisierungsforschung (Arbeitstitel), das sich zur Aufgabe gemacht hat, aktiv an der gesellschaftlichen und technologischen Gestaltung der digitalen Transformation mitzuwirken und die Potenziale und Herausforderungen für die Menschen in der digitalen Gesellschaft zu erforschen, hat sich bis 2030 in der Forschungslandschaft Nordrhein-Westfalens erfolgreich etabliert.

(Strategie für das digitale Nordrhein-Westfalen 2019 - Teilhabe ermöglichen – Chancen eröffnen, S. 39)

„Am Wochenende war ich mal so froh, dass ich zwei Tage nix machen musste!“ – in diesem Stoßseufzer fasst der achtjährige Moritz nachdrücklich seine Erfahrungen mit dem wochenlangen Home-Schooling zusammen. Gemeinsam mit weiteren Schüler*innen berichtet er über neue Unterrichtsformen, die sich in allen Schulstufen seit März entwickelt haben. „Gerade jüngeren Schüler*innen fehlen Sozialkontakte am meisten, ältere haben vermehrt Sorgen über die Auswirkungen des Unterrichtsausfalls“ sagt Prof. Dr. Ivo Zürcher von der Universität Marburg. Doris Teutsch, pädagogische Leiterin der Volkshochschule Südtirol, bereitet sich bereits jetzt darauf vor, auch ältere Zielgruppen an digitale Lehrangebote heranzuführen, sollte es im Herbst zu einer zweiten Welle kommen.

Diese und andere Veränderungen im Lehr- und Lernalltag standen im Mittelpunkt der Beiträge zum Themenfeld „Bildungswelten“ – einer von drei „digitalen Alltagswelten“, die das Center for Advanced Internet Studies (CAIS) im Rahmen des bundesweiten Digitaltags am 19. Juni betrachtet hat. Die Bochumer Forscher*innen hatten ein mehr als vierstündiges Streaming-Programm zusammengestellt, bei dem Vertreter*innen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Medien und der Zivilgesellschaft Facetten des digitalen Alltags in der Corona-Pandemie diskutierten.

Anfang Juni verwandelte sich die Lounge des Bochumer Forschungszentrums in ein veritables Aufnahmestudio – dort, wo sich sonst die CAIS-Fellows über ihre Projekte austauschen, waren mehrere Digitalkameras, Mikrofone und Scheinwerfer aufgebaut, um die Beteiligten der Digitaltag-Beiträge ins rechte Licht zu setzen. „In Zeiten der Pandemie ist es gar nicht so leicht, an gutes Material heranzukommen – viele Geräte, die man zum Aufzeichnen benötigt, waren ausverkauft“, erinnert sich Daniel Mlcoch an die Schwierigkeiten mit der Technikausstattung. Gemeinsam mit Matthias Begenat, dem Leiter Wissenstransfer und Öffentlichkeitsarbeit, hatte Mlcoch Produktion und Regie des CAIS-Angebotes für den Digitaltag übernommen.

An mehreren Drehtagen führten Mitarbeiter*innen des CAIS per Video-Konferenz Gespräche mit zuvor eingeladenen Gästen. Im Mittelpunkt standen Themen, die den digitalen Corona-Alltag für viele Menschen geprägt haben: neben Home-Schooling etwa das Hören von Virus-Podcasts, die Debatte um die Corona-App oder das Aufkommen von Verschwörungstheorien. Daraus formte das CAIS-Team schließlich drei Themenwelten, die dem Digitaltags-Programm eine Struktur verliehen.

Eröffnet wurde das Programm mit einem Grußwort der Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Isabel Pfeiffer-Poensgen.

In den Informationswelten ging es um die Frage, wie sich Bürger*innen in Zeiten von Verschwörungstheorien und Fake News zuverlässig über das Corona-Virus informieren können. Unter anderem klärte die Psychologin Pia Lamberty über die individuellen und gesellschaftlichen Ursachen des Verschwörungsglaubens auf und gab praktische Hinweise für Faktenchecks.

Die Datenwelten beschäftigten sich mit den neuen digitalen Möglichkeiten zur Bekämpfung des Corona-Virus. Der Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Andreas Pinkwart, verwies in seinem Video-Statement auf die Beschleunigung der Digitalisierung durch die Corona-Pandemie. Neben weiteren Beiträgen erläuterte Prof. Dr. Thorsten Holz (Ruhr-Universität Bochum, Systemsicherheit), wie eine Corona-Tracing-App beschaffen sein muss, die den Anforderungen an Datenschutz- und Datensicherheit gerecht wird.

Unter dem Motto Bildungswelten ging es um eine Bestandsaufnahme der Erfahrungen, die betroffene Schüler*innen und Lehrer*innen in der Zeit der Corona-Pandemie mit digitalen Lehr- und Lernformen gemacht haben. Aber auch die wichtige Rolle der Work-Life-Balance im Homeoffice sollte hier nicht zu kurz kommen. Daher stellten die Improvisations-Schauspielerinnen der „Improkokken“ aktive Entspannungstechniken vor, um den Kopf auf unterhaltsame Art und Weise wieder freizubekommen.

Matthias Begenat ist mit dem Verlauf der Veranstaltung zufrieden: „Technisch hat alles bestens funktioniert und wir haben mit den vielen Expert*innen ein breites Themenspektrum abdecken können. Über die verschiedenen Social-Media-Kanäle haben wir im Laufe des Tages viel positives Feedback erhalten.“ Den Abschluss des Programms bildete eine Video-Konferenz, an der sich zahlreiche Expert*innen beteiligt haben, die aber auch für Bürger*innen offenstand. Bereits während des Livestreams hatten sich Interessierte über thematisch passende Online-Befragungen beteiligen oder Fragen an die Vortragenden formulieren können. Auf diese Weise wurde der Anspruch des bundesweiten Digitaltags erfüllt, Menschen entlang konkreter Beispiele in einen Dialog zu bringen und Digitalisierung erlebbar zu machen. Die Videos zu den drei Themenwelten stehen zum Abruf auf der Website des CAIS bereit (https://www.cais.nrw/digitaltag-2020).

Weitere Informationen unter www.cais.nrw

Fotos: CAIS, Matthias Begenat

 

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