Erfolgsfaktoren für die digitale Verwaltung des 21. Jahrhunderts Stabwechsel beim CIO der Landesregierung

20.08.2020, Museum Kunstpalast, Ehrenhof, Düsseldorf

Von MWIDE NRW am 10.09.2020

Welche Faktoren entscheiden über Erfolg und Misserfolg für die digitale Verwaltung des 21. Jahrhunderts? Diese Frage beschäftigte rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich unter Corona-Bedingungen am 20. August im Museum Kunstpalast versammelt hatten.

Auch wenn die Digitalisierung der Verwaltung bereits seit einigen Jahren ein Dauerbrenner ist:  Durch die Corona-Pandemie sind die Relevanz, Notwendigkeit und Chancen einer digitalen Verwaltung noch einmal deutlicher geworden.

Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart formulierte den Leitgedanken, die Erwartungen und Ansprüche der Bürgerinnen und Bürger als Kunden der Verwaltung zu kennen und ernst zu nehmen als eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Verwaltungsdigitalisierung. Digitale Verwaltung kann aber nur dann erfolgreich arbeiten, wenn es ein klares politisches Bekenntnis zur Digitalisierung gibt und diesem Bekenntnis auch konkrete Taten folgen. Dazu gehören ein klar definiertes Ziel und einen Fahrplan mit überprüfbaren Zwischenschritten. In Nordrhein-Westfalen wurde dieser Fahrplan mit der Digitalstrategie des Landes und mit der E-Government-Strategie vorgelegt. Den rechtlichen Rahmen bildet neben dem EGovG NRW vor allem das Onlinezugangsgesetz.

Ob eine Strategie gut ist, bemisst sich letztlich an ihrer erfolgreichen Umsetzung. Mit dem Programm „Digitale Verwaltung NRW“ gibt es dafür ein Konzept, seine Steuerung und Koordinierung liegt in der Verantwortung des Digitalministeriums. Das Programm ist aber zugleich auch der Fahrplan für die Umsetzung in den Behörden und Einrichtungen. Hier ist die intensive Abstimmung zwischen allen Beteiligten ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Wirtschafts- und Digitalminister Prof Dr. Andreas Pinkwart

Wie sich die Digitalisierung der Verwaltung in den Behörden konkret gestaltet, erläuterte Judith Pirscher, Regierungspräsidentin des Regierungsbezirks Detmold, und benannte die Herausforderungen und Erfolge bei der Digitalisierung der Verwaltung. Eindrucksvoll mache das Beispiel des Soforthilfe-Programms mitten in der Corona-Pandemie deutlich, wie wichtig einerseits Erfahrungen mit digitalen Verfahren und andererseits der Mut, neue Wege zu gehen, seien. Ohne dies, wäre es gar nicht möglich gewesen, innerhalb so kurzer ein solch digitales Verfahren auf- und umzusetzen.

Minister Pinkwart war sich sicher: „Die Transformation hin zu einer digitalen Verwaltung ist zweifellos eine gewaltige Reorganisationsaufgabe. Für die Behörden ist es die umfassendste Herausforderung der letzten 50 Jahre.“

Für deren Bewältigung ist einer der Erfolgsfaktoren ohne Zweifel auch die Motivation und das Engagement der Menschen, die die digitale Verwaltung konzipieren, implementieren und tagtäglich umsetzen. Einer dieser Menschen stand im Mittelpunkt der Veranstaltung. Mit Hartmut Beuß, dem ersten CIO des Landes Nordrhein-Westfalen, schied Ende August 2020 ein verdienter Pionier der Verwaltungsdigitalisierung aus dem Amt. Der bereits 2015 mit dem E-Government Leadership Award ausgezeichnete Beuß ist maßgeblicher Architekt der digitalen Transformation der Landesverwaltung. Für den erfahrenen Verwaltungsspezialisten war die Digitalisierung der Verwaltung aber weit mehr als die Investition in technologische Innovationen, es war und ist ebenso ein umfassender organisatorischer Umbauprozess, der einen anderen Umgang mit Hierarchie und neue, flexiblere Formen des Austauschs und der Zusammenarbeit mit sich bringt. Minister Prof. Dr. Andreas Pinkwart würdigte Hartmut Beuß „als einen großen Diplomaten intra-und interministerieller Zusammenarbeit, der durch Verhandlungsgeschick, Überzeugungskraft und große Empathie vieles möglich gemacht hat, was zunächst unmöglich erschien.“ Regierungspräsidentin Pirscher lobte Beuß als einen Treiber der Digitalisierung. 

Der scheidende CIO des Landes NRW Hartmut Beuß

Eine solch wichtige Position kann selbstverständlich nicht verwaist bleiben. Es ist also nur folgerichtig, dass das Zepter des CIO des Landes Nordrhein-Westfalen direkt an den neuen Beauftragten für Informationstechnik Prof. Dr. Andreas Meyer-Falcke übergeben wurde. Mit Meyer-Falcke kehrt kein Unbekannter in die Landesverwaltung zurück: Vor mehr als 15 Jahren war er bereits im damaligen Wirtschaftsministerium tätig, wo er unter anderem ein elektronisches Informationssystem zum Controlling und Reporting im Bereich Fördermittel mitentwickelte, und damit zum zweiten Mal den nationalen e-Government-Preis gewann.

Minister Pinkwart und Regierungspräsidentin Pirscher erklärten, dass sie sich auf die Fortsetzung der erfolgreichen Zusammenarbeit freuen, um gemeinsam die vollumfängliche digitale Transformation der gesamten Landesverwaltung bis Ende 2025 zu vollenden.

Hartmut Beuß wünschte seinem Nachfolger viel Erfolg: „Wir haben in den vergangenen Jahren einiges erreicht, aber es ist beileibe nicht so, dass alles fertig ist und nur noch „geerntet“ werden muss.“ Es habe durchaus Rückschläge gegeben und nicht alles sei reibungslos gelaufen. Die Herausforderungen seien immer noch groß, die Erwartungen an die Verwaltung gewaltig und durch die Corona-Pandemie sogar noch gestiegen. Es gebe aber für den künftigen CIO auch Grund zu Optimismus: Viel Engagement, Kompetenz und Herzblut im Digitalministerium und im eigenen Team, aber auch in der Landesverwaltung insgesamt und in der kommunalen Familie – und nicht zuletzt eine Hausleitung, die anspornt, aber auch sehr unterstützt.   

Prof. Dr. Andreas Meyer-Falcke, Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Hartmut Beuß, Judith Pirscher, Christoph Dammermann (v.l.)

Der neue CIO nimmt diese Herausforderung gerne an, ist sich der Größe der Aufgabe aber sehr wohl bewusst. Denn auch wenn das Jackett von Hartmut Beuß zu klein für ihn sei, in die Fußstapfen des scheidenden CIO müsse er noch hineinwachsen, so Meyer-Falcke. „Ich bin froh, dass ich dabei auf ein so erfahrenes CIO-Team, auf hoch motivierte Kolleginnen und Kollegen, bauen kann.“ so Meyer-Falcke bei seiner Vorstellung. Und weiter: „Die rechtlichen und programmatischen Grundlagen sowie die Strukturen und Abläufe der Digitalisierung in der Landesverwaltung sind gelegt und suchen ihresgleichen in der Bundesrepublik.“ Im Mittelpunkt der gemeinsamen Arbeit aller „Digitalisierer“ müssen aus seiner Sicht nun vor allem die Verwaltungsleistungen für Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen stehen. „Es ist toll, wenn die Landesverwaltung dank DVN und EGP’s zunehmend intern digital arbeitet. Gemessen werden unsere Erfolge am Ende aber am erlebbaren Mehrwert für unsere Kunden.“

Der neue CIO des Landes NRW Prof. Dr. Andreas Meyer-Falcke

Damit unterstrich Meyer-Falcke die Bedeutung, die den Kommunen im Rahmen des OZG zukommt. Als ehemaliger Beigeordneter der Landeshauptstadt unter anderem für Organisation und IT sowie Verbandsvorsteher des kommunalen IT-Dienstleisters ITK-R sind ihm die Herausforderungen, die in der vielfältigen kommunalen Familie liegen, sehr bewusst. Hier baut er – wie auch schon sein Vorgänger – auf eine aktive, starke Rolle des KDN, des nordrhein-westfälischen Dachverbandes der kommunalen IT-Dienstleister. „Eine der Herausforderungen wird darin bestehen, die vorhandenen digitalen Einzel-Lösungen zum Beispiel in den Bürgerbüros, aber auch in den smarten Modellkommunen und anderswo, auch für alle anderen nutzbar zu machen. Warum nicht eine Art - im wahrsten Sinne - offene Plattform schaffen, auf der alle ihre eigenen digitalen Produkte einstellen, aber von der sie eben auch die der anderen „runterladen“ können?“ stellte Meyer-Falcke eine erste Überlegung in den Raum.

Und noch etwas liegt ihm besonders am Herzen: „Das OZG verpflichtet uns, 2022 alle Verwaltungsleistungen von Bund, Ländern und Kommune digital anzubieten. Umso wichtiger, dass alle unsere Bürgerinnen und Bürgern unsere Angebote dann auch kennen! Als langjähriger Düsseldorfer fällt mir dazu der Begriff „Showroom“ ein. Warum nicht einer auf Rädern, in dem alle, die wollen, ihre Angebote präsentieren können und die Neugierde auf die Digitale Verwaltung NRW geweckt wird?“

Eines war am Ende dieser Veranstaltung klar: Die Digitalisierung der Landesverwaltung ist und bleibt eine große und wichtige Aufgabe, der sich ihre Macher auch weiterhin mit starker Motivation und großer Energie stellen.

Fotos: Susanne Kurz

 

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